Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.2.3 Gender Mainstreaming 

Das Konzept des Gender Mainstreaming hat seinen Ausgangspunkt in entwicklungspolitischen Debatten, die insbesondere auf den Weltfrauenkonferenzen in Nairobi (1985) und in Bejing (1995) geführt wurden. Weil Entwicklungshilfeprojekte ganz oft Folgen zeitigten, die Frauen gegenüber Männern faktisch noch weitergehend benachteiligten, als dies ohnehin der Fall war und diesen Folgen dann allenfalls mit einigen vereinzelten Frauenförderprojekten entgegengearbeitet wurde, entwickelten die Frauen das Konzept des Gender-Mainstreamings. Dabei ging es ihnen darum, dass bei allen entwicklungspolitischen Entscheidungen analysiert wird, wie sie die unterschiedlichen Realitäten von Frauen und Männern berücksichtigen und welche Folgen sich aus ihnen für die Situation von Männern und Frauen ergeben, um dann die Entscheidungen und Massnahmen so auszurichten, dass sie der Verwirklichung der ansonsten wirkungslos in Präambeln abgelegten frauen- und gleichstellungspolitischen Ziele tatsächlich näher bringen. Das hieß also nicht, dass es keine frauenspezifischen Projekte mehr geben sollte, sondern, dass auch der “Mainstream” der Projekte und Maßnahmen konkret auf die geschlechterpolitischen Leitziele hin orientiert werden sollen. Es geht also beim Gender Mainstreaming nicht um die Ablösung von Gleichstellungspolitik sondern um ihre Verallgemeinerung, Konkretisierung und Effektivierung.

Gender Mainstreaming gewann in den folgenden Jahren über die internationale Ebenen immer stärker Bedeutung für die Bestimmung des Handelns staatlicher und überstaatlicher Bürokratien insgesamt. So wurde das Prinzip des Gender-Mainstreaming als generelles Prinzip politisch-administrativen Handelns auch im Amsterdamer-Vertrag der EU festgeschrieben wurde, der zum 1.5.1999 in Kraft trat. Am 23.6.1999 faßte dann die Bundesregierung den Beschluss die Gleichstellung von Frauen und Männern durchgängig durch die Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern. Immerhin fordert ja schon das Grundgesetz in Art. 3 Abs. 2: “Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.”

Die Definition des Sachverständigenberichts des Europarats lautet:

“Gender Mainstreaming besteht in der (Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung der Entscheidungsprozesse, mit dem Ziel, dass die an politischer Gestaltung beteiligten AkteurInnen den Blickwinkel der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen einnehmen.”

Seit dem 1.1.2001 ist die “Gleichstellung von Mädchen und Jungen als durchgängiges Leitprinzip - Gender-Mainstreaming” zur zentrale Aufgabe der Förderung durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) erklärt worden: “Die Berücksichtigung der spezifischen Belange von Mädchen und Jungen und jungen Frauen und jungen Männern zur Verbesserung ihrer Lebenslagen sowie der Abbau geschlechtsspezifischer Benachteiligungen muss bei allen Maßnahmen besonders beachtet werden. Es muss darauf hingewirkt werden, dass Frauen bei der Besetzung und Förderung hauptamtlicher Fachkraftstellen angemessen vertreten sind.” - diese Aufgabe von besonderer Bedeutung wird quasi vor der Klammer der einzelnen Programme formuliert.

Literatur:
 
Die Bundesregierung: Gender Mainstreaming - Was ist das?, 2002
Rose, L.: Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Weinheim und München 2004. 


 

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