Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.1.2 Träger der freien Jugendhilfe

Weit mehr als die Hälfte aller Einrichtungen und Angebote der Jugendhilfe werden von nicht-staatlichen Gruppen und Verbänden und gemeinnützigen freien Trägern der Jugendhilfe vorgehalten. Dies sind sogar rd. 70 % bei der Kinder- und Jugendhilfe, wenn man den großen Bereich der Kindertagesbetreuung außer acht lässt (siehe Folie 2.1.2.1). Das Spektrum reicht von Jugend- bzw. Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, die bundesweit organisiert sind bis zu Verbänden, juristischen Vereinen und Selbsthilfegruppen, die nur in einem Land, in einer Stadt oder einem Ortsteil/ einer Gemeinde aktiv sind.

Die Träger der freien Jugendhilfe unterscheiden sich von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe dadurch, dass sie überwiegend in der Rechtsform „eingetragener Verein” bzw. in der Form von Stiftungen organisiert sind. Von gewerblichen Trägern unterscheiden sie sich dadurch, dass sie den steuerlichen Status der Gemeinnützigkeit haben. Sie verantworten ihre Dienste fachlich, wirtschaftlich und organisatorisch selbst und finanzieren diese neben den Leistungsentgelten und pauschalen Zuwendungen aus öffentlich-rechtlichen Haushalten zu einem Teil aus Eigenmitteln wie Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Erlösen von Lotterien usw. Durch fachliche Zusammenschlüsse auf Kreis-, Landes- und Bundesebene werden fachliche Standards festgelegt und gemeinsame Interessen gegenüber politischen Gremien und Institutionen vertreten.

Da die Träger der freien Jugendhilfe auch Dienste zur Verwirklichung von Rechtsansprüchen erbringen, die sich juristisch gegen die öffentlichen Geldgeber richten, versuchen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen Einfluss auf die fachliche, wirtschaftliche und organisatorische Gestaltung der Hilfsangebote zu nehmen. Sie begründen diesen Anspruch und die notwendige Kontrolle über die Verwendung der Mittel mit der Höhe der bereitgestellten Geldmittel und der politischen Verantwortung für die Hilfeempfänger. Außerdem überträgt das KJHG dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Gesamtverantwortung. Öffentliche und freie Jugendhilfe werden im KJHG (§ 4) zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit verpflichtet.

Literatur:

Peter Hammerschmidt: "Zur Herkunft und Bedeutung der Bezeichnung '(staatlich anerkannter) Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege'", in: Zeitschrift für Sozialpädagogik, 2/2006, S. 132-150.
Merchel, J.: Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit. Weinheim und München 2003
Thole, W.: Grundriss Soziale Arbeit. Opladen 2002
Boeßenecker, K.-H.: Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in der BRD. Münster 1998
 


zurück zur Folie