Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.2.0 Jugendhilfe im Kräftespiel

Gestaltung und Leistungen der Jugendhilfe werden durch drei unterschiedliche Interessengruppen bestimmt. Diese sind

  • die Bürgerinnen und Bürger als Nutzer der Jugendhilfe,
  • die Träger der öffentlichen Jugendhilfe/ Jugendämter als Leistungsgewährer und Leistungsfinanzierer und
  • die Träger von Einrichtungen, Angeboten und Diensten als Leistungserbringer.
Idealerweise balanciert sich die Jugendhilfe zwischen diesen drei Interessensphären aus.

Die Kinder, Jugendlichen und Eltern nehmen als Berechtigte Leistungen der Jugendhilfe in Anspruch. Gleichzeitig sind sie als Bürgerinnen an der Ausgestaltung der kommunalen Jugend- und Sozialpolitik beteiligt. Durch Beteiligung an der Jugendhilfeplanung und die Wahrnehmung ihrer Rechte bei der Inanspruchnahme von Leistungen können sie zur konkreten Gestaltung der Jugendhilfe beitragen.

In der Praxis erweist sich die Gruppe der Mädchen, Jungen und Eltern jedoch oft als der schwächste Faktor im Kräftespiel. Familien in Krisen haben häufig nicht die notwendige Durchsetzungskraft. Sie sind in der Kommunalpolitik selten aktiv und verfügen kaum über eine wirksame Lobby.

Das Jugendamt als Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe ist für die Gewährleistung und Finanzierung der notwendigen und ausreichenden Hilfen verantwortlich. Qualität und Orientierung der Jugendhilfe in den Kommunen werden von den politischen Kräften in der Stadt, dem Landkreis, von den formulierten Standards, den Fachkräften und der Intensität des Prozesses der Jugendhilfeplanung bestimmt.

Die Einrichtungen, Dienste und Angebote sind die Leistungserbringer in öffentlicher und freier Trägerschaft. Sie gewähren im doppelten Auftrag des Jugendamtes und der Nutzer die konkrete Hilfe. Über ihre Zusammenschlüsse und Verbände, Fachkräfte und ehrenamtlich Tätigen prägen sie ihr Profil aus. Gleichzeitig nehmen sie Bedarfe auf und vermitteln diese in die Entscheidungsprozesse der Jugendhilfeplanung und des Jugendhilfeausschusses.

Viele Strömungen der Entwicklung von Kinder- und Jugendhilfe laufen im Jugendhilfeausschuss zusammen. Dieser sichert einerseits die Beteiligung der Träger der freien Jugendhilfe und ist andererseits als Teil des Jugendamtes zentrales Organ für die Gestaltung der Jugendhilfe.

Insgesamt ist die Kinder- und Jugendhilfe Teil des gesellschaftlichen Lebens. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, etc. nehmen Einfluss auf die sozialen Realitäten in einer Gemeinde und wirken somit auf die praktische Jugendhilfe und auch auf die kommunale Jugendhilfepolitik ein.

Gesellschaftliche Veränderungen wie sie in Erziehungs-, Bildungsdebatten und Armutsdebatten sichtbar werden, spiegeln sich auch im Kräftespiel der Jugendhilfe wieder. So sind viele Bereiche der Jugendhilfe - z. B. die Kindertagesbetreuung, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit - von den jeweils aktuellen Debatten um die schulische Bildung betroffen.

Ebenso haben die finanziellen Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen Auswirkungen, wenn es darum geht, für welche Personengruppen welche Leistungen zur Verfügung gestellt werden; z. B. welchen Rechtsanspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz Eltern haben, konkret für wie viele Stunden täglich ein Platz zur Verfügung steht.


zurück zur Folie