Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.2.2.2 Rechte auf Beteiligung bei konkreten Leistungen 

Das Jugendhilfesystem ist darauf aufgebaut, dass die Bürger/-innen ein individuelles Recht haben, Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dies setzt voraus, dass sie ausreichend über die Möglichkeiten der Kinder- und Jugendhilfe informiert und beraten werden. Das gilt gerade auch für die jungen Menschen (§ 8 KJHG).

Die Eltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht (§ 5 KJHG) und das Recht, die Grundrichtung der Erziehung (§ 9 KJHG) zu bestimmen.

Bei Hilfe zur Erziehung ist gemeinsam mit den Eltern und den jungen Menschen über die richtige und notwendige Hilfe zu beraten und zu entscheiden. Den Wünschen der Eltern ist zu entsprechen, wenn damit keine unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind (§ 36 KJHG).

Vom Grundsatz her geht also nichts gegen den Willen der Eltern. Ist zum Schutz des Kindes eine Entscheidung gegen die Eltern beabsichtigt, so hat das Jugendamt das Familiengericht einzuschalten.

Angebote der Jugendarbeit (§ 11 KJHG) "sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden". Jugendarbeit ist somit ein Lernfeld für Mädchen und Jungen in dem soziale Verantwortung und demokratisches Engagement geübt werden kann.

Kindertageseinrichtungen übernehmen Aufgaben der Betreuung, Bildung und Erziehung für Kinder (§ 22 KJHG). Wie diese Aufgaben ausgestaltet werden, soll in enger Zusammenarbeit zwischen den Fachkräften und den Eltern ausgestaltet werden. Bei allen wesentlichen Angelegenheiten der Tageseinrichtungen sind die Eltern zu beteiligen (§ 22 KJHG). Landesausführungsgesetze regeln dabei die Art und Umfang der Mitwirkungsrechte.

Mitwirkung von Eltern, Kindern und Jugendlichen bei der Jugendhilfeplanung

Damit die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe den Lebensinteressen der jungen Menschen und ihrer Familien entsprechen, sind diese an der Jugendhilfeplanung zu beteiligen (Betroffenenbeteiligung). Die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen sind nach § 80 KJHG zu berücksichtigen. Hierzu sind Formen der Beteiligung zu entwickeln, die eine Einbeziehung  der Erfahrungen, Kenntnisse, Wünsche und Vorstellungen ermöglichen. Diese Ansätze sind in vielen Kommunen allerdings noch wenig entwickelt.

Literatur:

Merchel, J.; Reismann, H.: Der Jugendhilfeausschuss. Eine Untersuchung über seine fachliche und jugendhilfepolitische Bedeutung am Beispiel NRW. Weinheim und München 2004
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Elfter Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Bonn 2002
Kriener, M./Petersen, K. (Hg.) Beteiligung in der Jugendhilfepraxis. Münster 1999


zurück zur Folie