Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.2.1 Zusammenarbeit der öffentlichen mit der freien Jugendhilfe

Partnerschaftliche Zusammenarbeit

Das KJHG fordert in § 4 die partnerschaftliche Zusammenarbeit der öffentlichen mit der freien Jugendhilfe zum Wohle der jungen Menschen. Diese Zusammenarbeit ist eine zwingende Voraussetzung für das Funktionieren der vielfältigen Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe. Gleichzeitig soll damit auch gewährleistet werden, dass unterschiedliche Einrichtungen, Dienste und Angebote entstehen bzw. bewahrt bleiben, um den jungen Menschen und ihren Familien eine Wahlmöglichkeit zu lassen (Wunsch- und Wahlrecht, § 5 KJHG). Dabei sollen religiöse und weltanschaulich und fachlich unterschiedliche Formen nebeneinander Bestand haben. Die Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe haben demnach das Recht, Angebote eigener Prägung zu machen.

Vorrang der freien Jugendhilfe (Subsidiarität)

Dort, wo Träger der freien Jugendhilfe Angebote der Kinder- und Jugendhilfe unterhalten, hat der Träger der öffentlichen Jugendhilfe zurückzustehen. Die bedarfsgerechte Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe soll im Rahmen der Jugendhilfeplanung (§ 80 KJHG) in einem Prozess der Aushandlung zwischen den Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe sichergestellt werden. Deshalb ist es wichtig, dass die Träger der freien Jugendhilfe an der Jugendhilfeplanung beteiligt sind.

Gesamtverantwortung der öffentlichen Jugendhilfe

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe - Jugendämter - sollen gewährleisten, dass die notwendigen Einrichtungen, Dienste und Angebote rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen (§ 79 KJHG). Dazu gehört auch, dass eine ausreichende Pluralität und Wertevielfalt bei den Angeboten berücksichtigt werden.

Zur Gesamtverantwortung gehört auch die Planungsverantwortung. Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe wird dieser Forderung gerecht, indem er

  • die politischen und materiellen Rahmenbedingungen schafft (Jugendhilfeausschüsse und Kommunalparlamente);
  • eine qualifizierte Bedarfsplanung und Angebotsentwicklung im Rahmen der Jugendhilfeplanung unter Beteiligung der Träger der freien Jugendhilfe sichert;
  • den fachlichen Diskurs und Austausch herstellt (§ 78 KJHG).

Förderung der freien Jugendhilfe

Zur Förderung der freien Jugendhilfe gehört die Beratung und Unterstützung ebenso wie die finanzielle Förderung. Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe kann seine Unterstützung jedoch von den Erkenntnissen und Vorgaben der Jugendhilfeplanung abhängig machen (§ 74 KJHG). Die Art und Höhe der Förderung wird sich ebenfalls daran messen müssen. Eine besondere Frage ist dabei, wie die Stadt bzw. der Kreis ihre/ seine Entscheidungen über die zur Verfügung zu stellenden Haushaltsmittel trifft. Letztlich ist auch dies eine Entscheidung politischen Aushandelns.

Die Zusammenarbeit von Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe kann nur bei einem ausgewogenen Kräftespiel funktionieren. Wichtige Elemente dabei sind die Beteiligung von Politikern und Politikerinnen im kommunalen Entscheidungsprozeß und die Mitwirkung von Vertreterinnen und Vertretern der Träger der freien Jugendhilfe im Jugendhilfeausschuss.
 


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