Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

2.1.3 Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland

Kinder- und Jugendpolitik und Kinder- und Jugendhilfe wird in der Bundesrepublik Deutschland auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gestaltet und gefördert.

Die Organisationsstruktur der Kinder- und Jugendhilfe ist durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Träger und unterschiedlicher Organisationsformen gekennzeichnet. Während die öffentlichen Träger zur öffentlichen Verwaltung gehören, bestehen bei den freien Trägern vielfältige Trägerformen.

In diesem Schema sind die politischen Entscheidungsorgane und die öffentlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe aufgeführt. Zum Verständnis des Zusammenwirkens der Akteure und der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe soll hier folgendes erläutert werden:

Im Rahmen des Gesetzes zur Neuordnung des Kinder- und Jugendhilferechts – Achtes Buch Sozialgesetzbuch - Kinder und Jugendhilfe - (Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Juni 1990, BGBl. I S. 1163) in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Dezember 2006 (BGBl. I S. 3134) - wurde eine neue rechtliche Grundlage für die Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland geschaffen: das SGB VIII. Das neue Gesetz hat das Jugendwohlfahrtsgesetz, das in seinem Kern aus dem Jahr 1922 stammte, abgelöst und ist am 1. Januar 1991, in den neuen Bundesländern bereits am 3. Oktober 1990, in Kraft getreten. Gleichzeitig wurde die Materie in das Sozialgesetzbuch eingefügt.

Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit für junge Menschen bis 27 Jahre sollen nach dem im Achten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) geregelten Kinder- und Jugendhilferecht an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zur gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen und hinführen.

Ausdrücklich bestimmt SGB VIII den Pflichtcharakter der Förderung der Jugendarbeit, wobei die offene Jugendarbeit und die Jugendverbandsarbeit als Einheit betrachtet werden. Die Förderung der Tätigkeit der Jugendverbände und Jugendgruppen erfolgt unter Wahrung ihres satzungsgemäßen Eigenlebens. Dort wird Jugendarbeit von jungen Menschen selbst organisiert, gemeinschaftlich gestaltet und mitverantwortet.

Die Bundesebene

Die Kinder- und Jugendpolitik der Bundesregierung folgt dem Ziel, durch konzertiertes Vorgehen in allen Handlungsfeldern, die Kinder und Jugendliche in Deutschland betreffen, optimale Lebensbedingungen für junge Menschen zu schaffen und ihre Zukunftschancen individuell zu fördern. Diesem Anspruch folgend, ist Politik für junge Menschen in Deutschland als Querschnittspolitik ausgestaltet, die dem Ziel verpflichtet ist, eine demokratische Kultur des Aufwachsens zu sichern.

Auf Bundesebene werden die Ziele der Kinder- und Jugendpolitik innerhalb der Bundesregierung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gesetzt und koordiniert. Das zentrale Förderinstrument für die Kinder- und Jugendpolitik und die Kinder- und Jugendhilfe im Zuständigkeitsbereich des BMFSFJ ist der Kinder- und Jugendplan des Bundes.

Aufgabe des Bundesjugendkuratoriums (BJK) ist es, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe zu beraten. Dem BJK gehören von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend namens der Bundesregierung berufene Sachverständige an.

Jugendarbeit wird von Verbänden, Gruppen und Initiativen der Jugend, von anderen Trägern der Jugendarbeit und den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe angeboten. Als Schwerpunkte der Jugendarbeit nennt das SGB VIII die außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung, Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit, die Arbeitswelt, Schul und Familien bezogene Jugendarbeit, die internationale Jugendarbeit, Kinder- und Jugenderholung sowie die Jugendinformation und Jugendberatung.

Im 11. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung ist Kinder- und Jugendarbeit als zentrales sozialpädagogisches, öffentlich organisiertes und gesellschaftliches Sozialisationsfeld der modernen Gesellschaft beschrieben. Sie bietet im Unterschied zu anderen Tätigkeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch im Unterschied zu anderen Bildungsbereichen Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zu selbst organisiertem Lernen und Handeln. Hier können sie aktive Teilhabe an der Gesellschaft üben und praktizieren und erhalten die Gelegenheit, ihre Umwelt und Zukunft mitzugestalten.

Mit dem Erfahrungsraum und der Bearbeitung von Ambivalenzen zwischen Solidarität und Individualität, Infrastrukturangebot und Selbstorganisation sowie informeller Gemeinschaft und formaler Organisation stellen Jugendverbände einen besonderen gesellschaftlichen Gestaltungsraum und Lernort für Demokratie dar. Sie können wichtige Erfahrungen im Umgang mit demokratischen Instrumenten, Entscheidungsprozeduren und Aushandlungsprozessen vermitteln.

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) bildet zusammen mit dem Ring Politischer Jugend (RPJ) das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK), das die deutschen Jugendorganisationen im Ausland vertritt.

Die Mitgliedschaft von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen übersteigt jeglichen sonstigen Organisationsgrad im Bereich von Freizeitaktivitäten oder politischem Engagement. Im Selbstverständnis der Sportorganisationen ist ihr Angebot für Kinder und Jugendliche als Jugendarbeit im Sinne des Bildungsauftrags der Kinder- und Jugendhilfe zu verstehen.

Die außerschulische politische Jugendbildung ist als Teil der Jugendarbeit im SGB VIII geregelt. Freie Träger wie Jugendverbände, Bildungsstätten, Wohlfahrtsverbände, Akademien und politische Jugendorganisationen sowie öffentliche Träger wie die Bundeszentrale für politische Bildung und die Landeszentralen für politische Bildung, staatliche Bildungsstätten, Volkshochschulen und nicht zuletzt auch die Jugendämter zählen zu den Anbietern im Bereich der außerschulischen politischen Jugendbildung.

Die Landesebene

Den Bundesländern stehen in der Gesetzgebung die Bereiche zu, die der Bund nicht ausfüllt oder die im Grundgesetz nicht dem Bund zugewiesen sind. Damit bleibt den Ländern als Gegenstand der Gesetzgebung der ganz überwiegende Teil des Bildungswesens und der Kulturpolitik als Ausdruck der „Kulturhoheit“.

Die oberste Landesjugendbehörde hat die Tätigkeit der Träger der öffentlichen und der freien Jugendhilfe und die Weiterentwicklung der Jugendhilfe anzuregen und zu fördern. Die Länder haben auf einen gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen und Angebote hinzuwirken und die Jugendämter und Landesjugendämter bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe zu unterstützen.

Das SGB VIII Kinder- und Jugendhilfe verpflichtet die Länder zur Einrichtung eines Landesjugendamtes, das aus dem Landesjugendhilfeausschuss und der Verwaltung des Landesjugendamtes besteht.

Ziele und Aufgaben der obersten Landesjugendbehörden ergeben sich insbesondere aus dem Sozialgesetzbuch Achtes Buch – Kinder- und Jugendhilfe. Danach haben die obersten Landesjugendbehörden den Auftrag, die Tätigkeit der Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe sowie die Weiterentwicklung der Jugendhilfe vor allem in den Bereichen Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Mädchenarbeit, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Jugendsozialarbeit, Jugendberufshilfe, Kinder- und Jugendschutz, Förderung der Erziehung in der Familie, Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege, Hilfen zur Erziehung, Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, Inobhutnahme, Herausnahme, Vormundschafts-, Familien- und Jugendstrafrechtshilfe, Adoption, Beistandschaft, Pflegschaft sowie Amtsvormundschaft anzuregen und zu fördern. Darüber hinaus haben sie auf einen gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen und Angebote einzuwirken sowie die Jugendämter und die Landesjugendämter bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen.

Die Organisation der obersten Landesjugendbehörden ist unterschiedlich. In einzelnen Bundesländern werden alle Jugendfragen in einem Ressort zusammengefasst, in anderen sind sie auf verschiedene Ministerien verteilt. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesjugendbehörden werden jugendhilferechtliche, jugendhilfefachpolitische sowie jugendpolitische Fragen unter den obersten Landesjugendbehörden abgestimmt und entsprechende Beschlüsse für die Jugendministerkonferenz vorbereitet.

Mitglieder der Jugendministerkonferenz sind die für Jugendhilfefragen zuständigen Landesminister. Im Rahmen der Jugendministerkonferenz werden jugendhilferechtliche, jugendhilfefachpolitische sowie jugendpolitische Fragen abgestimmt und entsprechende Beschlüsse gefasst.

Die kommunale Ebene

Die Organisationseinheit der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe auf örtlicher Ebene ist auf Grund des SGB VIII das kommunale Jugendamt. Unter Planungs-, Gewährleistungs- und Finanzierungsgesichtspunkten ist das kommunale Jugendamt die zentrale Institution der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Aufgaben der Jugendhilfe, und somit des Jugendamtes, sind im SGB VIII als „Leistungen und andere Aufgaben zugunsten junger Menschen und Familien“ definiert.

In Verbindung mit der Verwaltungsebene, der das kommunale Jugendamt angehört, wird zwischen Kreisjugendamt (Kreisebene), Stadtjugendamt (kreisfreie Städte), „regionalisiertes Jugendamt“ (in einer kreisangehörigen Gemeinde) sowie Bezirksjugendamt (in den Bezirken der Stadtstaaten) unterschieden.

Die Jugendhilfe ist gekennzeichnet durch die Vielfalt von Trägern unterschiedlicher Wertorientierungen und die Vielfalt von Inhalten, Methoden und Arbeitsformen. Leistungen der Jugendhilfe werden von Trägern der Freien Jugendhilfe erbracht. Andere Aufgaben werden von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe wahrgenommen.

Die bekanntesten Formen von Kinder- und Jugendarbeit finden in Häusern der Offenen Tür freier und öffentlicher Träger statt und in Jugendverbänden als wertorientierte Gemeinschaften, die als freie Träger sowohl über Angebote als auch über entsprechende Einrichtungen verfügen.

Literatur:

IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (Hrsg.): Kinder- und Jugendpolitik, Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland. Strukturen, Institutionen, Organisationen, Bonn 2008.


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