Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - Präsentationsfolien und Erläuterungen

3.1.2 Übersicht auf die Leistungen und anderen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) löste 1991 nach 20-jähriger Reformdiskussion das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) aus dem Jahre 1961 ab. Das KJHG beinhaltet nach allgemeiner Auffassung einen Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe: Von der ordnungsrechtlichen zur (sozial-)leistungsorientierten Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe werden im § 2 KJHG zusammenfassend aufgeführt. Sie werden unterschieden in Leistungen und andere Aufgaben. Leistungen können von Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe erbracht werden, die anderen (hoheitlichen) Aufgaben obliegen im Prinzip dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe.

Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe

Als Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe werden solche Aufgaben bezeichnet, die zur Erfüllung von Ansprüchen berechtigter Kinder, Jugendlicher und Familien von der Jugendhilfe erbracht werden (Jugendhilfe als Sozialleistung). Zum Teil sind die Leistungen als allgemeine Gewährleistungsverpflichtung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendamt) ohne Rechtsansprüche gefasst (z.B. der gesamte Bereich der Jugendarbeit), zum Teil werden - beim Vorliegen entsprechender Voraussetzungen - individuelle Rechtsansprüche begründet (z.B. Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung).

Die Leistungen der Jugendhilfe sind in zusammen 29 Paragraphen im zweiten Kapitel des Gesetzes (§§11-14, 16-25 und 27-41 KJHG) ausformuliert.

Andere Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe

Neben den Leistungen verbleiben eine Reihe anderer Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe, wo diese zur Erfüllung des staatlichen Wächteramtes unabhängig von den Wünschen und Bedürfnissen von Bürgerinnen tätig wird (Jugendhilfe als Ordnungstätigkeit).

Die Kategorie der anderen Aufgaben weist keine homogene Struktur auf. Die für die sozialpädagogische Praxis relevantesten anderen Aufgaben sind die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen (§ 42 KJHG) sowie die Mitwirkung in Verfahren vor den Vormundschafts- und Familiengerichten (§ 50 KJHG) und in Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz (§ 52 KJHG).

Diese anderen Aufgaben können von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe auch zur Ausführung auf einen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe übertragen werden (§ 76 KJHG). Weitere Regelungen betreffen z.B. Probleme der Adoption oder der Führung von Amtsvormundschaften und -pflegschaften.

Die anderen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe sind in zusammen 18 Paragraphen im dritten Kapitel des Gesetzes ( §§ 42-48 und 50-60 KJHG) ausformuliert.
 

Literaturauswahl

Wiesner,R. u.a.: SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe, 2. Aufl., München 2000
Münder, J. u.a.: Frankfurter Kommentar zum SGB VIII: Kinder- und Jugendhilfe
Jordan, E.; Sengling,D.: Jugendhilfe, Neuausgabe, Weinheim 2000
 

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